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Interview 3R: Alles dicht? Hauseinführungen – das unterschätzte Risiko

Im Grunde sind es zahlreiche Einführungen, die die eigenen vier Wände erst zum Zuhause machen. Durch sie werden Wärme und Komfort, Information und Kommunikation ins Haus geführt. Warum Architekten, Planer und Bauherren dabei besonders auf Qualität und fachgerechte Ausführung achten sollten, erläutern Eckhard Wersel und Horst Scheuring, Vorsitzende des Fachverbands Hauseinführungen für Rohre und Kabel e.V. (FHRK).

Was ist so kompliziert bei der Hauseinführung? Kann nicht jeder versierte Handwerker ein Loch in die Hauswand bohren und ein Rohr oder Kabel hindurchführen?

Eckhard Wersel:

Selbstverständlich ist das möglich, aber dann gilt: Nach dem Loch ist vor dem Schaden. Genau ab hier beginnt das, was der FHRK und seine Mitglieder zu ihrer Aufgabe gemacht haben: das qualifizierte Verschließen eines Ringraumes rund um ein Medienrohr oder Kabel mit standardisierten Abdichtlösungen. Wie vielfältig das ist und vor allem, wie viele Lösungsmöglichkeiten es gibt, zeigen eindrücklich die umfänglichen Produktangebote der Hersteller.

Das heißt, man braucht das richtige Material, gut ausgebildete Installateure und Normen. Worin besteht dann die Aufgabe Ihres Verbandes?

Horst Scheuring:

Nur durch die Neutralität und Unabhängigkeit des FHRK war es möglich, die unterschiedlichen Varianten und Überzeugungen zu ordnen und für die Nutzer oder Bauwerkseigner sicher in eine klar verständliche Richtung zu bringen, in der sich die Mehrheit der Branche – zumindest die im FHRK organisierten Hersteller – wiederfindet. Nur so ließ sich ein Branchenstandard entwickeln. Daraus wurde die „Planungshilfe Gebäudeeinführungen", mittlerweile ein Bestseller im Downloadbereich unserer Homepage www.fhrk.de. Hier wird zum ersten Mal übersichtlich, verständlich und herstellerneutral gezeigt, wie eine fachgerechte Durchführung je nach Umgebungssituation zu erstellen ist.

Wen vertritt der FHRK?

Eckhard Wersel:

Der FHRK vertritt überwiegend Hersteller von Abdichtungssytemen für Gebäudedurchdringungen von Rohren und Kabeln sowie Energieversorgungsunternehmen, die Voll- oder Fördermitglieder bei uns sind. Mittlerweile unterstützt auch eine größere Gruppe von spezialisierten Verarbeitungsbetrieben sowie Fachhändlern unsere Aktivitäten. Unsere insgesamt mehr als 100 Mitglieder repräsentieren damit einen sehr hohen Prozentsatz der relevanten Branchen, den Löwenanteil im Bereich der Lieferindustrie.

Horst Scheuring:

Inzwischen haben auch Mitglieder aus neuen Bereichen wie zum Beispiel Armaturenhersteller unsere Präsenz verbreitert; Anfragen zu Mitgliedschaften aus weiteren, „angrenzenden" Gewerken liegen auch vor. Wir werden bemerkt. Darüber hinaus pflegen wir partnerschaftliche Verbindungen zu anderen Verbänden und Organisationen wie dem iro Oldenburg, Fachverbände Biogas e.V., BFW e.V. und Betonbohren und -sägen e.V.

Wer kann sich an den FHRK wenden und welche Hilfe kann er dort erwarten?

Eckhard Wersel:

Jeder, der Fragen rund um das Thema „qualifizierte Abdichtung von Gebäudedurchdringungen mit Rohren und Kabeln" hat. Große Versorgungsunternehmen, private und gewerbliche Investoren wie etwa Wohnbaugesellschaften treten mit ihren Fragen und Informationswünschen an uns heran. Sie erhalten meist direkt aus der Geschäftsstelle entsprechendes Infomaterial oder individuelle Antworten, denn auch hier sitzen Bauprofis, die sich seit vielen Jahren mit diesen Themen beschäftigen. In besonderen Fällen helfen auch die organisierten Hersteller gern mit Rat und manchmal auch mit Tat.

Wo liegt die Gefahr, wenn die Gebäudeeinführung für Rohre oder Kabel nicht fachgerecht ausgeführt wird? Welche Schäden können eintreten?

Horst Scheuring:

Das ist nicht so leicht zu beziffern. Die Skala reicht von „ein wenig feucht und damit eher optisch unangenehm" bis hin zu für das Gebäude existenziellen Bauschäden. Die Hersteller haben dazu passend ihre jeweiligen Gruselgeschichten, die aber leider alle der Realität entsprechen. Dieser Bereich des potenziellen Gebäudeschadens wird – bis er denn aufgetreten ist – leider sehr oft unterschätzt nach dem Motto „dann können wir ja immer noch etwas tun". Doch dann wird es oft sehr teuer, da der Aufwand bei nachträglicher Behebung sehr groß ist und die zum Teil notwendigen Konstruktionen den Rahmen der geschätzten Kosten sprengen. Unsere Devise lautet darum: Gleich von Anfang an alles richtig machen und so aktiv Bauschäden vermeiden.

Welche Kosten können durch Folgeschäden entstehen? Auf wen können Ersatzansprüche zukommen?

Eckhard Wersel:

Tja, hier kann man nur sagen: alles ist möglich. Angefangen mit Summen um Tausend Euro bis in den sechsstelligen Bereich – hier kennen die Hersteller durchaus genug Fälle. Die Verantwortlichkeit hat in der Regel auch mehrere Gesichter. Es kann sich um einen Fehler des Planers handeln, sofern es überhaupt einen gab. Überwiegend liegt die Verantwortung jedoch beim Verarbeiter, weil leider viele potenzielle Fehlerquellen im Bereich der Auswahl und Anwendung des Produktes zu suchen sind. Hier kennen wir Fälle von Warenwerten unter 500 Euro mit Schäden über 100.000 Euro. Das kann für kleinere Handwerksbetriebe existenzielle Folgen haben.

Man hört selten von eingetretenen Schäden durch fehlerhafte Gebäudeeinführungen. Haben bisher einfach nur alle viel Glück gehabt?

Horst Scheuring:

Das ist wirklich so – und das ist natürlich auch gut so, weil hinter Schäden dieser Art sehr oft extreme Kapital- oder Elementarschäden stehen. Wer nur ein einziges Mal in einem Keller stand, der von eingedrungenem Fremdwasser belastet war, wird fortan alle nur denkbaren Maßnahmen zur Verhinderung eines solchen Schadens ergreifen. Denn die Aufmerksamkeit für derartige Gefahren wird immer erst groß, wenn spektakuläre Schäden eintreten. Das liegt wohl in der menschlichen Natur. Wenn Sie beispielsweise heute im Raum Deggendorf mit Menschen darüber diskutieren, ob sie einen Schutz ihrer Hauseinführung gegen drückendes Wasser haben wollen oder ob auch die Absicherung gegen nichtdrückendes Wasser ausreicht, werden Sie nach den Hochwasserattacken von 2013 schnell eine eindeutige Antwort bekommen. Leider wird oft wirklich erst dann deutlich, ob etwas funktioniert, wenn der echte Lastfall ansteht. Das gilt auch für die Hauseinführung. Der Klimawandel wird immer wieder – und künftig wohl immer öfter – für Lastfälle dieser Art sorgen. Da sind noch einige böse Überraschungen zu befürchten.

Wie könnte man künftig die Qualität der Gebäudeeinführungen erhöhen und dauerhaft sichern? Durch Normen? Kontrollen auf den Baustellen? Verpflichtende Abnahmen durch eine öffentliche Prüfinstanz?

Eckhard Wersel:

Im Grunde sind alle genannten Maßnahmen wichtige Notwendigkeiten. Bisher gab es nichts wirklich Einheitliches, bis auf freiwillige und vom jeweiligen Hersteller sehr unterschiedlich gestaltete Qualitätsnachweise. Normen und Regeln mit hoher oder verpflichtender Nachweisführung befinden sich nun endlich in der Umsetzung. Die im Markt befindlichen Herstellernachweise sind von sehr unterschiedlichem Nutzen. Einige bescheinigen, dass das Produkt unter Bedingungen, die nicht immer realitätsnah sind, eine selbst definierte Prüfung bestanden hat. Der Nutzen dieses Nachweises ist oft zweifelhaft, da er im Falle einer juristischen Auseinandersetzung selten zu benutzen ist.

Horst Scheuring:

Die Mitglieder im FHRK wollten das nicht so belassen und haben daher in Zusammenarbeit mit dem Institut für Rohrleitungsbau (iro) einen entsprechenden Katalog mit Prüfnachweisen erarbeitet, nach dem im kommenden Jahr Prüfungen mit Zertifikatsnachweis erbracht und geleistet werden können, die auch inhaltlich der Aufgabe entsprechen, die diese Art von Produkten am Bau zu erfüllen haben. Darüber wird im kommenden Jahr sehr spannend und mit Sicherheit auch mit hoher Aufmerksamkeit in der Branche zu berichten sein. Auch die Entstehung der neuen Normen und Arbeitsblätter konnte mit aktiver Beteiligung des FHRK so begleitet werden, dass sich dieser Teil der Branche endlich aufmerksamkeitsstark präsentieren kann. Sind sich die Bauherren und Architekten Ihrer Ansicht nach der Gefahren bewusst? Schenken sie diesem Teil der Baustelle die nötige Aufmerksamkeit?

Eckhard Wersel:

Ja und nein. Durch die intensive Öffentlichkeitsarbeit des FHRK haben wir viele neue Quellen und Wege erschlossen, für eine entsprechende Wahrnehmung zu sorgen. So konnten wir im Jahr 2015 bei einer in ganz Deutschland stattfindenden Veranstaltungsreihe über 3.000 Architekten ansprechen, die teilweise zum ersten Mal mit Problemen dieser Art in Kontakt kamen und sich bei uns beklagten, viel zu wenig Information über die auch in ihrem Verantwortungsbereich liegenden Themen zu haben. Es ist hinsichtlich der Aufklärung und Wahrnehmung in der Breite noch sehr viel zu tun, dessen sind wir uns bewusst. Aber wir haben mit dem FHRK in relativ kurzer Zeit – es gibt uns ja erst seit 2010 – schon sehr viel geschafft, worauf wir stolz sind.

Welche Möglichkeit habe ich als betroffener Bauherr, Planer oder Installateur, mir schnell einen Überblick über den aktuellen Stand der Technik, Normen und Vorgaben zu verschaffen?

Horst Scheuring:

Wir haben für alle klassischen Anwendungsfälle – Gebäude mit oder ohne Keller, Kabel- oder Rohrdurchführungen – entsprechende Broschüren erstellt, die einen guten und herstellerneutralen Überblick geben. Außerdem sind natürlich auch unsere Mitglieder gute Informationsquellen zu allen Fragen rund um das Thema. Auch die FHRK-Homepage mit ihren vielen Downloadangeboten für qualifizierte Fachunterlagen steht uneingeschränkt zur Verfügung, quasi als „Fachlexikon". Und dann, darauf freuen wir uns heute schon sehr, bieten wir im April 2017 gemeinsam mit dem Vulkan-Verlag die erste Veranstaltung an, die sich ausschließlich mit der qualifizierten Gebäudeeinführung beschäftigt. Hier werden hochkarätige Referenten das Thema aus allen Blickwinkeln beleuchten. Sowohl aus technisch-theoretischer Sicht als auch mit einer gehörigen Menge an Praxis, damit auch die Teilnehmer etwas für ihre Arbeit mitnehmen können, das greifbar ist und für Verbesserung sorgt.